Aetna Giardini Naxos Castagne dei cento cavalli
Wetter: Superwetter, 27°, ab Mittag leichte Bewölkung über dem Etna (s.u.)
Heute scheint es endlich so, als würde endlich ein großer Wunsch wahr werden! Seit unserem ersten Besuch in Sizilien wollen Günter und ich unbedingt auf den Gipfel des Etna. Nicht, dass wir große Wanderer wären und wir dieses Ziel durch widrige Umstände bisher nicht erreicht hätten... Nein, wir wären gern ganz oben auf dem Etna, wenn es auf jeden Fall klares Wetter wäre, damit wir die fantastische Aussicht genießen könnten.
Bisher war es fast immer so, dass es sich um den Gipfel zugezogen hatte, noch ehe wir auf der Mittelstation in
Rifugio Sapienza angekommen waren.
Nun aber ist das Wetter super! Schon um 06:00 Uhr sind wir aus den Federn, und das im Urlaub! Um 07.00 Uhr sitzen wir in unserem Leihwagen und fahren über die Autobahn bis zur Ausfahrt
Giarre und weiter über
Zafferano zum Rifugio Sapienza. Wir sind schon um 08.00 Uhr dort und die ersten Camper blinzeln gerade aus ihren Wohnmobilen in die Sonne, die hier auf knapp 2.000 m noch kräftiger ist als am Meer. Dieser Ort verändert sich ständig, da immer wieder bei Ausbrüchen Souvenirläden und Häuser durch Lavaströme verschüttet werden. Auch die Gondelbahn wurde bei den Ausbrüchen 2001 völlig zerstört. Nun ist sie wieder aufgebaut.
Wir sind viel zu früh, die erste Fahrt mit der Gondel startet erst um 09.00 Uhr. Aber eine Bar hat bereits geöffnet und der Tresen ist schon mit den leckersten Panini, Cornetti und Dolci gefüllt. So können wir unser im Hotel versäumtes Frühstück nachholen und die Ausstrahlung des Berges auf uns wirken lassen. Auf dieser Höhe kann man die längst erloschenen, aber auch beeindruckenden
Crateri Silvestri besichtigen.
Um kurz vor 09.00 Uhr kaufen wir unsere Bigletti: 40,53 € für die Seilbahn, Hin- und Rückfahrt, inkl. der Fahrt im Jeep ab Bergstation zzgl. 7,47 € für den Führer, macht zusammen 48,- € pro Nase. Auf die Seilbahn und/oder den Jeep könnte man verzichten, der Führer ist ein Muss! Nur wenige gehen zu Fuß hinauf. Es ist doch eine ganz schön anstrengende Strecke, steil und rutschig – durch die kleinen Lavakörnchen. Nach der Gondelfahrt, ab der Bergstation
„Piccolo Rifugio“ (La Montagnola, ca. 2.500 m), könnte man zu Fuß bis zur Endstation an der Jeeppiste entlang gehen. Aber das ist kein Vergnügen, da jeder vorbei fahrende Jeep reichlich Staub aufwirbelt.
Wir genießen das „volle Programm“, also zuerst die Fahrt mit der Gondel. Oben angekommen erwartet uns eine fantastische Aussicht ins Landesinnere Siziliens. Nun müssen wir noch eine Weile warten, bis genügend Leute oben sind, damit sich der erste Jeep füllt. Denn es sind nicht etwa normale Jeeps, die hier oben fahren, sondern
riesige Militärjeeps mit mannshohen Rädern und Platz für ca. 20 Personen. Mit solch einem Gefährt geht es dann los, über eine ca. 5 km lange Schotterpiste in serpentinenähnlichen Schlangenlinien durch die mit grauschwarzen Schneefeldern bedeckte Lavalandschaft. Im leichten Dunst schauen wir Richtung Osten und Südosten nach Giarre, Acireale, Catania und sehen das Meer in der Ferne glitzern. Auf einer Art Hochplateau, dem Torre del Filosofo, halten wir auf ca. 2.900 m Höhe unterhalb
des
Mongibello. Bis zum Hauptkrater sind es noch rund 400 m (Höhenunterschied), die man ohne Erfahrung, Kondition und ohne Führer wohl nicht erklimmen sollte. Beim Aussteigen aus dem Jeep werden wir alle durch feinen Schwefelstaub überrascht und müssen fürchterlich husten! Nun verstehen wir, warum dieser Ausflug für Herz- und Asthmakranke nicht erlaubt ist. Mit
Taschentüchern schützen wir Nase und Mund beim Atmen. Nach einer Weile lässt die Windboe nach, die den Staub herbei gewirbelt hat und wir gewöhnen uns ein wenig an die dünne und schwefelige Luft - bis zur nächsten Boe.
Unser Führer geht mit der recht großen Gruppe zu dem Krater, der 2002 entstanden ist. Mitten hindurch führt ein schmaler Pfad, links davon dampft es kräftig. Das ist die Feuchtigkeit vom schmelzenden Schnee, die durch die Hitze in den etwas tiefer liegenden Schichten sofort wieder verdampft. Auch aus etwas kleineren Senken am
Wegesrand dampft es. Wenn man die Hand hinein hält, spürt man die Wärme und die Hand wird gleich feucht. Über den südlichen Kraterrand gehen wir außen herum wieder Richtung Jeep. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick in fast alle Richtungen, bzw. zum höchsten Punkt des Berges aus dem es stetig raucht und dampft.
Zurück fahren wir wieder mit Jeep und Gondel. Gegen Mittag sind wir in Refugio Sapienza, kaufen uns noch ein paar leckere Panini für das nächste Picknick und fahren durch Zafferano, dann Richtung Norden nach Sant’ Alfio. Dort machen wir unter der
„
Castagno dei cento Cavalli“ unsere Mittagspause in herrlicher Ruhe. Kein weiterer Tourist hat sich hierher verirrt, um den angeblich 2000 Jahre alten Kastanienbaum zu bewundern, der nach einer Legende 100 Reitern mit ihren Pferden Schutz vor einem Unwetter gab. Ich glaube, dass müssen ziemlich kleine Pferde gewesen sein.
Auch ein Ausflug in die Alcantara Schlucht
„Gola di Alcantara“ hier in der Nähe würde sich jetzt noch anbieten. Aber dieser Tag war bis jetzt schon beeindruckend genug.
Zurück nach Taormina über Landstraßen mit Zwischenstopp in
Giardini Naxos. Wir schauen wie die alten Griechen, die hier 735 v. Chr. ihre erste Kolonie gründeten, vom Capo Schisò über die Bucht nach Taormina.
Abends in Taormina. Bevor es zum Abendessen geht, noch ein Bummel durch den Ort. Durch kleine Gassen abseits der
„Hauptflaniermeile“, vorbei am Teatrino Romano und über kleine Piazzi. Doch irgendwann landet man immer wieder auf dem Corso Umberto.In der Chiesa San Giuseppe an der Piazza IX Aprile (neben der Wunderbar) finden gerade Vorbereitungen für eine Prozession statt. Die Madonna, die gleich durch die Stadt getragen werden soll, wird geschmückt. In der Kirche geht es laut und geschäftig zu, alle sind etwas aufgeregt und in Eile. Uns plagt der Hunger.
Weil die Pizza so lecker war, gehen wir wieder in die Pizzeria Shelter. Wir hoffen, dass wir nach dem Essen von der Prozession noch etwas mitbekommen, sie soll mit einem Feuerwerk enden – ich liebe Feuerwerk.
Aber als wir gerade so schön speisen, hören wir es musizieren und anschließend einige Feuerwerkskörper knallen. Nach einem solch ausgefüllten anstrengenden Tag haben wir aber nicht das Gefühl etwas zu verpassen und gehen bald wohl gesättigt inkl. leckeren Weins zurück zum Hotel. |