Scopello, Castellammare del Golfo, Segesta
Wetter: Erice in Wolken, sonst dicke weiße Wolken und blauer Himmel.
Heute haben wir ein wenig getrödelt, lange gefrühstückt und uns die Zeit bis mittags auf dem Bauernhof vertrieben.
Um 13:00 Uhr brechen wir auf nach Scopello; Autobahn bis Castellammare del Golfo, ein Stückchen durch den Ort und dann die schmale K
üstenstraße hinauf. Am ersten Aussichtspunkt halten wir und genießen den tollen Blick hinunter zum Hafen von Castellammare und weit über das blaue Meer zur Küste Richtung Palermo.

Kurze Zeit später sind wir in
Scopello, einem winzigen Ort. Hier geht die Straße nur noch durch den kleinen Ort und endet an der südlichenGrenze vom Naturschutzgebiet „Parco dello Zingaro“. Als in den 1980er Jahren der Bau einer Autostraße entlang dieser landschaftlich wunderschönen Küstenstrecke von Castellammare del Golfo bis San Vito lo Capo geplant war, gab es erhebliche Bürgerproteste. Die Regierung lenkte daraufhin ein und errichtete lo Zingaro als erstes Naturreservat Siziliens. Das Reservat umfasst 1600 ha und bietet vielen verschiedenen Vogelarten Lebensraum. Vor allem Greifvögel wie Falken, Geier und Adler finden hier ideale Lebensbedingungen.
Nach einem kleinen Imbiss in Scopello fahren wir hinunter an die Küste um uns die alte Tonnara (eine ehemalige Firma zur Verarbeitung von Thunfisch, früher eine Einkommensgrundlage für viele Fischer) anzuschauen. Vor einigen Jahren waren wir schon einmal hier. Das Haus war damals ziemlich verfallen und ungenutzt, nun ist es renoviert. Hier finden Feste statt und man kann Zimmer mieten:
www.tonnaradiscopello.it Außerdem gibt es einen großen Parkplatz, auch für Wohnmobile und sogar mit Wasserversorgung.

Auf dem Rückweg machen wir in Castellammare del Golfo halt. Ein Castel thront an der Spitze der Landzunge,
die die Bucht des kleinen Hafens bildet. Die Altstadt ist ganz hübsch und direkt am Hafen gibt es ein paar gute Restaurants, eine schöne Bar (die breite Treppe halb hoch) und ein neues Hotel, das wunderbar in die alte Bausubstanz integriert ist: Hotel Cetarium *****www.hotelcetarium.it). Im Hotel al Madarig (www.almadarig.com), an der großen Piazza Petrolo und fast direkt am Meer (auf der anderen Seite der Landzunge), haben wir damals ein paar Tage gewohnt. Gemütliches Hotel, erstklassige Küche. Es gibt einen kleinen „Hausstrand“, aber der lange, sehr schöne Strand mit allen touristischen Einrichtungen, ist etwas außerhalb des Ortes.

Für den späten Nachmittag steht noch der
Tempel von Segesta (5. Jhd. V. Chr.) auf dem Programm. Diese historische Stätte liegt direkt südlich der A 29 auf dem 410 m hohen Monte Varvaro. Man kann den Tempel von der Autobahn aus auf dem Hügel sehen, kurz vor der Einfahrt zum Tunnel (aus Richtung Trapani kommend) nach rechts schauen. Wenn man den Tunnel passiert hat (östlicher Ausgang) und sich umschaut, ist er auch noch zu sehen.
Wir hatten es noch gar nicht bemerkt, aber nun wissen wir es. Es ist Museumswoche: „settimana culturale“. Zu allen kulturellen staatlichen Stätten und Museen ist der Eintritt frei. Normalerweise kostet der Eintritt zum Tempel hier 6,- € pro Person. Der Tempel, so wie er auf seinem Hügel
im Licht des späten Nachmittags ruht, ist sehr beeindruckend. Leider ist er nun eingezäunt, so dass bei etwas Abstand der Blick auf die Säulen nicht mehr frei ist. Das hatten wir bei unserem ersten Besuch hier vor einigen Jahren noch anders erlebt. Wir fühlten uns fast in die Zeit Goethes versetzt, aber nun sind auch die hohen Fenchelstauden gemäht worden:
Goethe Segesta, den 20. April 1787.

…Die Nebenseiten haben zwölf Säulen ohne die Ecksäulen, die vordere und hintere Seite sechs mit den Ecksäulen. Die Zapfen, an denen man die Steine transportiert, sind an den Stufen des Tempels ringsum nicht weggehauen, zum Beweis, daß der Tempel nicht fertig geworden. Am meisten zeugt davon
aber der Fußboden: derselbe ist von den Seiten herein an einigen Orten durch Platten angegeben, in der Mitte aber steht noch der rohe Kalkfels höher als das Niveau des angelegten Bodens; er kann also nie geplattet gewesen sein. Auch ist keine Spur von innerer Halle. Noch weniger ist der Tempel mit Stuck überzogen gewesen, daß es aber die Absicht war, läßt sich vermuten: an
den Platten der Kapitäle sind Vorsprünge, wo sich vielleicht der Stuck anschließen sollte. Das Ganze ist aus einem travertinähnlichen Kalkstein gebaut, jetzt sehr verfressen. Die Restauration von 1781 hat dem Gebäude sehr wohl getan. Der Steinschnitt, der die Teile zusammenfügt, ist einfach, aber schön. Die großen besonderen Steine, deren Riedesel erwähnt, konnt' ich nicht finden, sie sind vielleicht zu Restauration der Säulen verbraucht worden.
Die Lage des Tempels ist sonderbar: am höchsten Ende eines weiten, langen Tales, auf einem isolierten Hügel, aber doch noch von Klippen umgeben, sieht er über viel Land in eine weite Ferne, aber nur ein Eckchen Meer. Die Gegend ruht in trauriger Fruchtbarkeit, alles bebaut und fast nirgends eine Wohnung. Auf blühenden Disteln schwärmten unzählige Schmetterlinge. Wilder Fenchel stand acht bis neun Fuß hoch verdorret von vorigem Jahr her so reichlich und in scheinbarer Ordnung, daß man es für die Anlage einer Baumschule hätte halten können. Der Wind sauste in den Säulen wie in einem Walde, und Raubvögel schwebten schreiend über dem Gebälke. …
Nach der Besichtigung des Tempels fahren wir mit dem Bus (1,50 €/Pers.) hinauf
zum griechisch-römischen Theater (3. oder 2. Jhd. v. Chr.). Es liegt auf dem gegenüber dem Tempel liegenden Monte Bárbaro in 415 m Höhe. Zu Fuß braucht man ca. 30 Min. und kommt dann an den wenigen Ausgrabungen des antiken Stadtgebiets von Segesta vorbei. Vom Theater hat man eine wunderschöne Aussicht über die hügelige Landschaft nach Alcamo und bis zum Golfo di Castellammare. Nur die Autobahn holt den Blick zurück in die Gegenwart. Die Anlage ist in großen Teilen bis 2003 wieder restauriert worden. Einige Ausgrabungen stammen aus einer anderen Zeitepoche. So wurde z.B. noch eine Festung aus der Normannenzeit (12. Jahrhundert) entdeckt und sogar Reste einer Moschee. Außerdem wurde ein Friedhof mit einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert gefunden.
Im Sommer finden im Theater alle 2 Jahre (abwechselnd mit Syrakus) Aufführungen statt.
Ich möchte den Blick in die Landschaft auch noch aus anderen Perspektiven
genießen und gehe den Weg zu Fuß zurück. Zuerst ein Stückchen entlang der Straße und dann über einen Wanderweg. Leider ist dieser Weg etwas vernachlässigt und nicht ausgeschildert. Aber da der Tempel immer in Sicht ist, findet man den Weg auch so. Einige Stücke sind allerdings steil und eine Treppe auf dem letzten Stück ist auch gesperrt…. Unten angekommen kann man noch die Reste der „Porta Segesta“ besichtigen. Von hier sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Parkplatz.
Zurück geht es durch die im Abendlicht leuchtende Landschaft.
Wir freuen uns schon auf das Abendessen, zu dem wir uns im Duca di Castelmonte angemeldet haben. Diesmal erscheinen wir natürlich pünktlich im Sala da Cena und die lange Tafel ist heute auch stärker besetzt. Außerdem ist eine zweite große Tafel eingedeckt. Es wird noch eine Gesellschaft von Freunden des Hausherrn erwartet. Neben uns sitzt ein sehr nettes Ehepaar aus Modena mit dem wir uns gut auf Italienisch unterhalten können. Falls es mal hakt, hilft ein dänisches Ehepaar weiter, das schon seit längerem in Norditalien lebt und auf Sizilien eine deutsche Freundin besucht, die mit einem Sizilianer verheiratet ist.
Es wird ein sehr geselliger Abend und auch das Essen ist wieder reichlich und total lecker!!! |