Mozia, Marsala, Gibellina Nuova, Ruderi di Gibellina
Wetter: Erice ist nicht zu sehen, sehr bedeckt, Regen ist angesagt.
Um 6.00 Uhr war ich kurz draußen und habe unsere Wäsche und die Sitzkissen vor dem Regen gerettet.

Bei der etwas unsicheren Wetterlage entscheiden wir uns nach dem Frühstück zu einem Ausflug nach Marsala, dort können wir uns bei Regen notfalls in ein Geschäft oder in eine Bar flüchten. Wir fahren Richtung Meer und dann die Küste entlang. Auch hier gibt es einige Küstenabschnitte mit Salinenfeldern und viele mit Ziegeln abgedeckte Salzhalden.
Weil sich das Wetter doch ganz gut hält, entscheiden wir uns auf Höhe der Isola San Pantaleo spontan zu einer Besichtigung der auf der Insel befindlichen Ausgrabungsstätte Mozia (Mothia/Motya).

Wikipedia:
Mozia ist eine antike phönizische Stadt auf der kleinen Insel San Pantaleo am westlichen Rand Siziliens in der Lagune 8 Kilometer nördlich von Marsala. Die Siedlung auf der kleinen Insel ist deshalb so interessant, da sich dort nach der Zerstörung durch Dionysios von Syrakus nie mehr eine umfangreichere Besiedlung befand und Motya so Archäologen die Möglichkeit bietet, eine Phönizierstadt im Ganzen zu untersuchen.
Heinrich Schliemann grub hier. Später der junge reiche Weinhändler Joseph Whitaker, ein Bewunderer Schliemanns. Anfang des 19. Jh. erwarb Whitaker die Insel. Es gibt ein Museum, aber sonst findet man überall auf der Insel Spuren der Antike, Scherben und Mauerreste. 1971 gründete die Tochter die Joseph Whitaker Stiftung, zu der die Insel seitdem gehört.
Mit einem Boot fahren wir hinüber (alle 30 Min. hin oder zurück/ 3,- € + Eintritt auf die Insel inkl. Museum 6,- € pro Person/ von 13:00 – 15:00 geschlossen).
Zurück fahren wir gegen 13:00 Uhr. Am Anleger auf dem „Festland“ gibt es eine nette Trattoria mit Bar. Nach einem leckeren Panini geht es weiter Richtung Marsala, immer am Wasser entlang. In der Bucht sehen wir jede Menge Kitesurfer, die hier durch das flache Wasser ideale Übungsbedingungen haben.
In Marsala kommen wir durch unseren ungeplanten Abstecher nun leider genau zur Mittagszeit an. Wie üblich haben alle Geschäfte von 14:00 bis 16:00 Uhr geschlossen. Wir bummeln ein bisschen durch die schöne Altstadt. Auch die schöne Chiesa Madre besichtigen wir.In einer ruhigen Straße entdecken wir ein sehr schönes Hotel: „Hotel Carmine“ http://www.hotelcarmine.it/italiano.html … vielleicht für da nächste Mal?
Bis auf ein paar Tropfen hat sich der Regen heute doch sehr zurück gehalten. Wir sind noch voller Tatendrang und haben schon das nächste Ziel im Auge – auf geht’s nach Gibellina Nuova. Leider finden wir beim Verlassen von Marsala nicht gleich die SS 118, aber dadurch sehen wir eine ganz unwirkliche Landschaft. Viele Sandsteinbrüche, parzelliert wie eine Kleingartenkolonie in der nähe von Ciavolo
. Später dann nur noch Weinfelder, so weit das Auge reicht in wunderschöner hügeliger Landschaft. Irgendwann kommen wir auf die SS118, fahren durch Salemi (ca. 450 m über nn), bergauf durch enge Straßen und ebenso auf der anderen Seite bergab. Wäre es nicht schon später Nachmittag könnten wir uns hier noch ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen: das Schloss aus dem 13. Jahrhundert, erbaut von Federico II (unser Kaiser Friedrich II. der die meiste Zeit seines Lebens auf Sizilien verbrachte und König von Sizilien war); die Pfarrkirche, hier steht nur noch der Chorraum; das Jesuitenkolleg, erbaut im 17. Jahrhundert ist heute das Gemeindemuseum; die Kirche Sant'Agostino in der Nähe des Rathauses und die Basilika San Michele aus byzantinischer Zeit.
Den „Torbogen“ über der breiten Zufahrtstraße nach Gibellina, den „Stella Porta del Belice“, können wir schon von Weitem sehen. Wir fahren hindurch und biegen dann ab in den Ort. Gibellina Nuova ist hier völlig neu entstanden, nachdem das alte Gibellina, 18 km entfernt,1968 von einem schweren Erdbeben fast vollständig zerstört wurde.
Wikipedia:
Es entstand eine moderne, nüchterne Stadt vom Reißbrett, die mit den gewachsenen Siedlungsstrukturen Siziliens nicht vergleichbar ist. Regelmäßige Straßenzüge werden durch kleine Plätze und Grünflächen gegliedert. Entlang der breiten Straßen stehen zweistöckige Wohngebäude im Reihenhausbau mit Garagen und kleinen Vorgärten.
Zahlreiche bekannte Architekten, Bildhauer und Maler stifteten Kunstwerke für die Plätze der neuen Stadt. Dazu zählten z.B. Rob Krier, Oswald Mathias Ungers, Pietro Consagra, Arnaldo Pomodoro, Renato Guttuso und Joseph Beuys. Heute ist Gibellina die Stadt mit der höchsten Dichte an moderner Kunst in ganz Italien.
Das Konzept der neu aufgebauten Stadt wurde von den Bewohnern nie richtig angenommen. Einige Teile der Stadt sind nicht mehr bewohnt. Viele Monumente und Kunstwerke wie zum Beispiel die Kirche La grande Sfera sind verfallen.
Das Wetter ist jetzt passend zu dem traurigen Anblick dieser Stadt. Kaum Menschen sind auf den Straßen zu sehen. Wir fahren durch einige Straßen und finden es schrecklich. Gut zu verstehen, dass die Einwohner über diesen Ort nicht glücklich sind. Noch besser können wir es verstehen, nachdem wir uns auch das alte Gibellina angesehen haben:
Ruderi di Gibellina (die Ruinen von Gibellina). Einige verfallene Häuser sind noch zu sehen. Ein großer Teil der Ruinen ist unter einer dicken Zementschicht begraben. Nur das Muster der schmalen Straßen ist noch zu erkennen und auch begehbar. Der Künstler, der diese Idee umgesetzt hat, ist Alberto Burri. Der Ort lag hier eingebettet in eine wunderschöne hügelige Landschaft. Allerdings auch sehr abseits. Unterwegs fragen wir einen Bauern nach dem Weg, weil wir nicht sicher sind, ob wir noch richtig sind. Der Weg hierher ist nicht besonders gut ausgeschildert.
Zurück fahren wir wieder an Gibellina Nuova vorbei, auf die A 29 Richtung Norden/ Trapani und sind schon nach 45 Min. in unserem Ferienquartier. Am Abend essen wir in der Pizzeria „Al Ponte“ ganz in der Nähe (Essen gut, großes Ausflugslokal, sehr italienisch). |