Jedem Rom-Besucher sollte eins klar sein: Egal, wie lange er in der "Ewigen
Stadt" auch Urlaub macht, er wird nur einen winzigen Bruchteil sehen vom
"Caput Mundi", dem "Haupt der Welt". Keine andere Stadt der Welt überwältigt
ihre Besucher so sehr mit einer schier unendlichen Fülle an
Sehenswürdigkeiten, mit so vielen Zeugen einer mehr als 3000 Jahre alten
Geschichte.
Niemand wird aus Rom zurückkehren und sagen können: "Ich habe alles
gesehen". Also versuchen Sie es erst gar nicht. Schauen Sie weniger an und
nehmen sie sich Zeit. Man muss am albernen "Bocca della Verità" (Mund der
Wahrheit) nicht für das vermeintlich obligatorische Foto mit der Hand im
Mund des Reliefs Schlange stehen. Die Zeit sollte man lieber nutzen, um auf
dem Blumenmarkt des "Campo dei Fiori" oder in einer der kleinen Gassen des
alten Juden-Ghettos echt römisches Leben auf sich wirken zu lassen. Bloß
nicht von einem Monument zum nächsten hetzen! Passen sie sich der Gangart
der Römer an, schlendern sie, vor allem abends. Erst wenn es über den sieben
legendären Hügeln dunkel wird, entfaltet Rom seinen ganzen Zauber. Und wenn
Sie dann durch Rom schlendern, denken Sie an folgende Tipps:
Pantheon
Das 125 nach Christus fertiggestellte Pantheon ist nicht nur das
beeindruckendste antike Bauwerk Roms, es bildet im Herzen der Stadt auch die
großartige Kulisse für das allabendliche Theater. Vor der größten antiken
Kuppel der Welt (43,3 Meter Durchmesser) zelebrieren die Römer in den Cafés
und Bars rund um den Brunnen am Abend ihren großen Auftritt. Die vom
Pantheon beherrschte Piazza della Rotonda ist vielleicht der römischste
aller Plätze im historischen Zentrum. Hier geben meist die Römer den Ton an,
selbst in der Hochsaison halten sich Römer und Touristen hier in etwa die
Waage. Die Preise der Bars sind noch akzeptabel, und in der Happy Hour-Zeit
locken sogar Cocktails, Wein und Bier zum halben Preis.
Piazza Navona
Die berühmteste Piazza Roms ist knapp 2000 Jahre alt. Um 85 nach Christus
(!) ließ Kaiser Domitian hier ein Stadion für Wettkämpfe und Wagenrennen
anlegen; bis heute hat sich die ovale Stadion-Form erhalten. Touristen
wetteifern meist um die besten - und damit extrem teuren - Plätze in den
Eis-Cafés. Karikaturisten, Zeichner, Pantomimen und Gaukler verwandeln den
von Berninis gigantischen "Fontana dei Fiumi" (Vier-Ströme-Brunnen)
dominierten Platz in einen bunten Jahrmarkt. Die Bars und Restaurants haben
ausnahmslos gesalzene Preise. Aber die architektonisch beeindruckende
Kulisse und das lebendige Treiben entschädigen halbwegs für das Loch in der
Reisekasse. Sind noch ein paar Euro für eine Pizza mit anschließendem
Absacker übrig, warten die Kneipen, Pizzerien und Nachtlokale in den Gassen
zwischen der Piazza Navona und dem Campo de Fiori, der abends meist fest in
der Hand der römischen Jugend ist.
Vatikan
Ob Katholik oder nicht - der mit 44 Hektar kleinste Staat der Welt ist ein
absolutes Muss für Rom-Reisende. Egal wie oft man den Petersdom und den sich
davor ausbreitenden Petersplatz auch schon im Fernsehen bei Übertragungen
von großen Festgottesdiensten gesehen hat: wer zum ersten Mal selbst davor
steht, wird von den gigantischen Ausmaßen und der Erhabenheit der
Architektur überwältigt. Auch hier sollte man nachts vorbeischauen. Dann
hebt sich die grünlich schimmernde Kuppel des Petersdoms geradezu unwirklich
vom Nachthimmel ab. Tagsüber kann man nach der Besichtigung des Petersdoms
auf die Kuppel steigen, um von dort einen herrlichen Rundblick auf Rom zu
genießen. Kunstfreunde werden an den Vatikanischen Museen und der
Sixtinischen Kapelle nicht vorbeikommen. Und wer den Papst sehen will, der
muss mittwochs morgens zu den öffentlichen Audienzen kommen. Auskunft und
kostenlose Karten gibt's tagsüber beim Deutschen Pilgerzentrum in der Via
della Conciliazione 51, Tel: 0039/06/6897197.
Engelsburg
Das Castel Sant`Angelo schauen die meisten Rom-Besucher nur von außen an.
Dabei lohnt es sich, der mächtigen Burg am Fuß der Engelsbrücke gleich neben
dem Vatikan einen Besuch abzustatten. Nicht unbedingt wegen des Museums,
wohl aber wegen des faszinierenden Rundblicks auf die ganze Stadt, den man
unbedingt am Abend genießen muss. Atemberaubend ist dann vor allem der Blick
hinüber zur angestrahlten Kuppel des Petersdoms. Kaiser Hadrian ließ hier
139 nach Christus ein großes Grabmal erbauen. Im Mittelalter war die
Engelsburg jahrhundertelang uneinnehmbar. Im Sommer ist die Engelsburg
täglich außer montags mindestens bis 21 Uhr geöffnet, samstags sogar bis 24
Uhr. Im Winter, wenn es in Rom spätesten um 18.00 Uhr dunkel ist, schließt
sie um 20 Uhr. Samstags bietet das Museum nach vorheriger Anmeldung (Tel:
06/39967600) etwas ganz Besonderes. Dann kann man mit einer Führung durch
den geschichtsträchtigen "Passetto" auf den Spuren der Päpste wandeln. Der
geheime Fluchtweg der Päpste verbindet den Vatikan mit der Engelsburg. Bei
der berüchtigten Plünderung Roms im Jahre 1527 ("Sacco di Roma") rettete der
"Passetto" Papst Clemens VII. das Leben. Seine Soldaten kämpften auf dem
Petersplatz so lange gegen die Übermacht der Angreifer, bis der Heilige
Vater in Sicherheit war. Die tapfersten Kämpfer waren Schweizer Söldner. Von
nun an sollen nur noch Eidgenossen den Papst schützen, entschied Clemens
VII. Damit war die Schweizer Garde geboren.
Kolosseum
Das Kolosseum ist das Wahrzeichen der Stadt. Inbegriff der römischen Macht
und ihrer Philosophie des "panem et circenses" (Brot und Spiele). Das Volk,
wußten die alten Römer, will bei Laune gehalten werden. Dafür begann Kaiser
Vespasian 79 n.Chr. den Bau des gigantischsten Amphitheaters der Welt.
Blutige Gladiatoren- und Tierkämpfe fanden hier statt. Es ist jedoch nur
eine Legende, dass auch die frühen Christen hier zu Tode gequält wurden.
Lange lag das Kolosseum brach. Jetzt wird es wieder für Theater und
Konzert-Veranstaltungen genutzt. Den schönsten Blick auf das Kolosseum hat
man vom "Colle Oppio", einem Hügel hinter dem Amphitheater, wo eine
Parkanlage zum Ausruhen einlädt. Wenige Meter hinter dem Kolosseum, in
Richtung der beeindruckenden Lateransbasilika San Giovanni, findet man
übrigens einige einfache römische Trattorien mit unverfälscht römischer
Küche und niedrigen Preisen, die man so nah am Kolosseum gar nicht vermutet
hätte.
Kaiserforen und Kapitol
Für den Spaziergang vom Zentrum zum Kolosseum bietet sich der Weg über den "Campidoglio"
(Kapitolshügel) an, dort residiert Roms Bürgermeister. Der Amtssitz mit dem
Reiterstandbild von Kaiser Marc Aurel inmitten des von Michelangelo
entworfenen Platzes ist sehr sehenswert. Genauso wie die unzähligen
Hochzeitspaare, die sich im Standesamt auf dem Kapitol das Ja-Wort geben.
Hinter dem "Campidoglio" öffnet sich ein atemberaubender Blick über das
Forum Romanum bis hin zum Kolosseum. Besonders imposant wirken die
Triumphbögen und Säulen, die die einstige ungeheure Pracht des riesigen
Weltreichs erahnen lassen, im Licht der Abenddämmerung oder nachts, wenn die
Foren dank der Großzügigkeit des römischen Elektrizitätswerks im gleißenden
Licht von Hunderten von Scheinwerfern erstrahlen.
Spanische Treppe
Die "Scalinata della Trinità dei Monti" ist die berühmteste Treppe Roms. Auf
ihr kann man eine kurze Rast einlegen und das Gewusel in der gleich
gegenüber liegenden Via Condotti anschauen. Dort gehen gut Betuchte in den
Nobelboutiquen von Armani, Prada & Co. shoppen, bevor sie sich - wie einst
schon Goethe - ins berühmte Antico Café Greco zum schnellen caffè an der Bar
wieder unter das normale Volk mischen. Die Via Condotti mit dem angrenzenden
Corso ist die Flaniermeile Roms. Der Treffpunkt zum Spaziergang nach
Feierabend ist aber die Spanische Treppe, wo Vorstadt-Casanovas auf eine
heiße Affäre mit abenteuerlustigen Touristinnen hoffen und dafür bereit
sind, sich mit ihrem geradezu kabarettreifen Englischkenntnissen vor der
restlichen Welt lächerlich zu machen. So unverständlich es dem amüsierten
Beobachter aus der Ferne auch sein mag: in heißen Sommernächten haben die
meist jungen "Nachwuchs-Papagalli" das eine oder andere Mal sogar Erfolg mit
ihrem Werben. Nicht umsonst heißt die Treppe unter römischen Jugendlichen ja
auch "scalinata del rimorchio" ("Abschlepp-Treppe").
Gianicolo
Der Gianicolo, ein Hügel gleich neben dem Vatikan am Tiber-Ufer oberhalb von
Trastevere, sei allen Verliebten besonders ans Herz gelegt. Der Gianicolo
bietet von der Piazza del Faro, wo ein kleiner Leuchtturm steht, oder von
der Piazza Garibaldi aus die schönste Aussicht auf Rom. Abends ist die
Straße auf dem Gianicolo, die auch die Buslinie 870 nimmt, mit Autos
zugeparkt. Die römischen Jugendlichen genießen aus dem Auto heraus die
Aussicht und einander. Nicht umsonst heißt der Gianicolo auch Knutsch-Hügel.
Da sie sich wegen der immer noch oft erzkonservativen Eltern nicht zu Hause
treffen dürfen, bleibt den jungen Römerinnen und Römern nur das Auto.
Wundern Sie sich also nicht, wenn sie an Autos
mit beschlagenen oder mit
Zeitungen und Jacken zugeklebten Scheiben vorbeikommen. Not macht eben
erfinderisch.
Trastevere und Juden-Ghetto
In Trastevere ist Rom noch das, was es eigentlich immer war. Man lebt in
seinem "Rione" (Viertel), geht zu seiner Trattoria um die Ecke, auch dann,
wenn die im Nachbarviertel viel besser ist. Trotz der immer größer werdenden
Touristenströme hat sich Trastevere mit seinen Gäßchen und den vielen
Trattorien und Bars noch viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Noch
ruhiger und vielleicht noch römischer geht's im alten Juden-Getto auf der
anderen Tiber-Seite zu.
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