Capri
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Torino

Capri hat auch eine ruhige Seite

Von Hella Kaiser

Quelle KN 4.7.03 Fotos P.Nowack


Informationen

Anreise:

Alitalia fliegt via Mailand nach Neapel. Vom Hafen gibt es zahlreiche Fähr­verbindungen nach Capri. Eine Fahrt mit dem Schnellboot dauert 35 Minuten und kostet rund 10 €.

Übernachtung:

Hotels sind teuer. In der Luxusklasse beginnen die Preise für ein Doppelzimmer bei 250 €.

Leading Hotel Quisisana (www.quisi.com) in Capri Stadt gefiel uns das

Caesar Augustus (www.caesaraugustus.com) in Anacapri.

Das La Palma (4 Sterne) in der Via Vitto­rio Emanuele liegt zentral, aber eine Nacht im Doppelzimmer schlägt mit 200 € zu Buche (Internet: www.lapalmacapri.com).

Pensione Belsito, Via Matermania 9/11 einmieten. Je nach Saison liegen die Preise für ein Doppelzimmer mit Frühstück zwi­schen 36 und 83 € (Tel. 0039/081/8370969, Fax: 0039/081/8376622).

Villa Krupp, 12, Viale Matteotti. Die Atmosphäre ist familiär, die Lage oberhalb des AugustusGartens grandios (Tel. 0039/081/8370362, Fax 0039/081/ 8376489).

Villa Brunella Fantastisch gelegenes Hotel, sehr gute Küche mit einem beeindruckenden Blick aus den Panoramafenstern des Restaurants auf Capri und die Marina Piccola. Das Hotel ist terrassenförmig aufgebaut und die Zimmer haben so ebenfalls den Ausblick auf das Panorama. Besonders empfehlenswert

Auskunft:

Uffici informazioni (Informati­onsbüro), 11, Piazzetta 1. Cerio, 80073 Capri, Napoli, Italia. Tel. 0039/081/ 8370424, EMail: touristoffice@capri.it, In­ternet: www.capritourism.com oder http://www.capri.net/

Broschüren über Capri können unter Tel. 00800/00482542 gebührenfrei angefordert werden.

Lesen Sie auch den Reisebericht über den Golf von Neapel und die Halbinsel von Sorrent von Petra und Guenter Nowack Bitte klicken Sie hier


Arm wäre die Welt ohne Dichter und Schriftsteller. Aber, eben auf Capri angekommen, wünscht man sie plötzlich zum Teufel. Denn Rilke, Moravia, Dickens, Neruda und all die anderen sind schuld daran, dass die kleine Felseninsel im Golf von Neapel so viel Zulauf bekommt. In alle Welt hatten die Wortgewaltigen ihre Schwärmereien ausposaunt und dabei betörende Vergleiche gefunden, wie etwa Turgenjew, für den Capri „ein Tempel der Göttin Natur" war. Natürlich will seitdem jeder hin, um es nachzuprüfen.

Alle zehn, 20 Minuten legen die Fähren an, aus Neapel, Ischia, Amalfi, Positano und Sorrent. 3000 Touristen überfallen täglich das zehn Quadratkilometer kleine Eiland. An der Marina Grande, dem Hafen Capris, beobachtet Lorena, eine Einheimische, wie sie in die wartenden Busse gestopft werden. „Das ist der Massentourismus", seufzt sie und tröstet sich damit, dass es ja immerhin sehr kleine' Busse sind, weil die „normalen" viel zu breit wären für die schmale Straße hinauf nach Capri Stadt. Und erst recht stecken bleiben würden in den Serpentinenkehren hinauf nach Ana Capri, dem anderen Ort des Eilands.

Nach Anacapri müssen die Tagesgäste unbedingt gekarrt werden. Denn da ist ein Traumhaus zu besichtigen: die Villa San Michele. Der schwedische Arzt Axel Munthe hatte hier 1896 auf den Ruinen einer alten Kapelle sein einzigartiges Anwesen bauen lassen, ohne Architekten, nur nach Augenmaß. Die Seele brauche mehr Platz als der Körper, fand Munthe, und so flutet das Licht nun durch Zimmer und Veranden, bestrahlt Säulen und antike Statuen und zaubert im Garten bizarre Schattenspiele.

Wer zum Monte Solaro hinauf und sparen möchte, muss Wanderschuhe im Gepäck haben. Denn mit Sandalen sind die steilen Pfade hinauf zum 589 Meter hohen Berg nicht zu bewältigen. Da spendiert man sich lieber die 5,50 Euro für den Sessellift, in dem jeder Gast einzeln nach oben schwebt. 1952 wurde die Anlage gebaut und zum Glück haben sie das gemütliche Tempo von damals keinen Deut beschleunigt. Oben: gucken, schwelgen und staunen, dass der Cappuccino mit Panoramablick günstiger ist als unten an der Marina.

An der Piazza A. Diaz von Anacapri ist der dörfliche Feierabend angebrochen. Männer sitzen auf Bänken, Frauen schaukeln Kinderwagen, der Nachwuchs radelt und rollert. Es wird geplaudert, diskutiert, philosophiert und viel gelacht. Auf dieser Piazza könnte man im Handumdrehen Italienisch lernen. In Anacapri geht's gemütlich zu und kein bisschen schick.

Vier Kilometer nur beträgt die Entfernung zwischen Anacapri und Capri Stadt aber Welten liegen dazwischen. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es am Rande von Anacapri ein, großes, gut verschlossenes Tor, damit die gente malamente, die bösartigen Menschen von Capri Stadt, nicht herein konnten. Und noch. immer glauben sie in Anacapri, dass ihr Schutzpatron Sant' Antonio mehr Wunder tut als der Heilige Constanzo von Capri Stadt. Nie fahren die einen zu den anderen, wenn einmal im Jahr das Fest des jeweiligen Schutzheiligen gefeiert wird.

Ein Linienbus bringt uns ins mondäne Capri zurück. Zur Abendstunde hat sich die Piazzetta Umberto der schwitzenden, drängelnden Touristengruppen entledigt sie gehört jetzt den Einheimischen und den Hotelgästen. Italiener vom Festland vor allem sind es, die sich hier einmieten und nun auf der Terrasse des Gran Caffe oder der Bar Tiberio sitzen oder besser: posieren. Fare bella figura, das ist hier ganz leicht, und man muss die passende Garderobe nicht einmal mitbringen. Sind ja alle wichtigen Labels da in der Via Camerelle oder der Via Botteghe: Hermes und Gucci, Gianfranco Ferre, Loro Piana, Dolce & Gabbana und ihresgleichen.

Capri ist stolz auf die feinen Boutiquen, doch kann man die ausgeklügelten Kreationen kaum würdigen, hier, wo die Augen so satt werden vor überbordender Blütenpracht in den großzügigen Gärten der Villen. Wo man auf dem Weg zur Punta Tragana oder zum Arco Naturale hinauf und hinab steigen muss und jeder Blick auf Meer und Felsen immer noch schöner ist als der vorherige. Im Vorübergehen entdeckt man, was schon Neruda sah: „Die Weinrebe auf dem Felsen, die Risse im Moos, die Mauern, in denen sich die Kletterpflanzen verfangen, die Plinthen aus Blumen und Stein." Selten trifft man einen Menschen unterwegs. „In keinem Ort der Welt gibt es so viele Gelegenheiten, solch eine Ruhe zu genießen, wie auf dieser Insel", schrieb Charles Dickens.

Kobaltblau schimmert das Meer, aber wo soll man eintauchen? Der eng begrenzte öffentliche Strand an der Marina Piccola, wo Dutzende dicht an dicht ihre Handtücher auf spitzen Kieselsteinen ausgebreitet haben, ist nicht verlockend. Dann lieber zehn Euro für eine Liege verschmerzen, die bei Luigi den schönsten Platz hat. Und weil man zu ihm von Capri Stadt aus Hunderte von Stufen hinunter und später eben wieder hinauf steigen muss, findet man immer einen freien Platz.

Irgendwann aber muss man doch hin, zur Blauen Grotte. Von der Marina Grande starten viele Schiffe, die nach zehnminütiger Fahrt davor Halt machen. Die Passagiere müssen umsteigen in wacklige Nussschalen. Denn nur mit diesen Mini-Booten, in die drei, bestenfalls vier Personen passen, kommt man hinein ins sagenumwobene Blau. Der Eingang zur Grotte gleicht einem Mauseloch, das sich durch den beträchtlichen Seegang oft noch halb verschließt., Die Mutigen werden von den Bootsführern aufgefordert, sich flach hinzulegen damit sich niemand den Kopf stößt bei der Einfahrt.

Viele Minuten vergehen, dann endlich sind wir drin. „Einen leuchtenden blauen Stern" sah Andersen hier aufgehen und, oh ja, es ist, als habe jemand plötzlich saphirfarbenes Mondlicht angeknipst. Still soll es jetzt sein, weil man träumen will. Geht aber, nicht. Denn die stolzen Kapitäne acht Boote, sind gleichzeitig in der Grotte beginnen nun laut und asynchron 0 Sole Mio zu schmettern. Die Japaner haben darüber ihre anfängliche Scheu vergessen und blitzen das Mondlicht kaputt. Kurz: Im Grunde sind alle froh, wenn sie nach dem fünfminütigen Spektakel wieder unbeschadet draußen sind.

Hoch hinauf flüchten wir danach in den Garten des Augustus. Da füttern alte Männer Katzen vor dem Lenindenkmal, denn natürlich hat auch dieser Russe Gorkis Einladung nicht abschlagen wollen. Man schaut auf den alten Serpentinenweg von Friedrich Alfred Krupp, ein architektonisches Wunderwerk, das, brüchig geworden, seit Jahren gesperrt ist. Können die Capresi die Via Krupp nicht restaurieren, oder wollen sie es nicht?

Lorena, die es nicht so preußisch genau nimmt, geht manchmal doch hinunter, aber mit mir will sie lieber zur Villa Jovis, einem der vielen Paläste, die Kaiser Tiberius auf Capri besaß. „Morgen um elf", schlägt sie. vor. „Wird es dann nicht zu voll?" Sie lacht schelmisch. „Viel zu weit für die Touristen", sagt sie, und tatsächlich sind am Vormittag nur wenige dort und wagen den Blick in den Abgrund. Dort, tief ins Meer, soll der Kaiser seine Lustknaben nach dem Vergnügen gestürzt haben. So jedenfalls hatte es Tacitus, 80 Jahre nach des Kaisers Tod, geschrieben aber soll man alles glauben?

Immerhin, die Dichter haben nicht gelogen, als sie die Schönheit der Insel priesen. Und vielleicht sind sie auch nicht schuld an Capris blendendem Ruf. Wahrscheinlich hatte schon Kaiser Augustus alles ins Rollen gebracht. So viel Gefallen fand er an dem Eiland, dass er es im Jahre 29 vor Christus leichten Herzens gegen Ischia eintauschte. Na ja, was ist denn auch Ischia, sagen die Capresi abfällig. Und sind sich in diesem Punkt sogar mit den Bewohnern von Anacapri einig


Capri Blick auf die Marina Piccola